Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark: Bärenalarm

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark Bach und The Dome

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark (4)

August, im Yosemite National Park, 14.30 Uhr

Gigantische Felsen umschließen ein Tal mit Fluss, in dem noch wilde Braunbären leben. Wir mussten in einer Art festem Zelt für einen Wucherpreis übernachten. Das Aufregendste war dort der Bärenalarm „bear alarm“: Nahrungsmittel und alles, was riecht, darf weder im Auto noch im Zelt aufbewahrt werden, weil es die Bären anlockt, die gnadenlos jedes Auto aufbrechen, um an Nahrung zu kommen. Sie sind schon so gut trainiert, dass sie, wenn sie nur eine Supermarkttüte auf dem Rücksitz sehen (und sei sie auch leer), sofort das Fenster einschlagen. Videos an der Rezeption des Curry Village – unsere Unterkunft auf unserer Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark – führen das jedem Neuankömmling eindrücklich vor.

Natürlich hatte meine Liebste unter diesen Umständen Angst, nachts alleine aufs Klo zu gehen. Ich musste daher mit. Was ich natürlich gerne auf mich nahm. Ich hab sie jedenfalls gehört, die Bären, zwischen den Zelten streifen und schnaufen und schnüffeln. Ich mag Natur, aber nicht beim Schlafen. Und lieber ohne Bären.

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark, Wanderungen

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark, Vernon FallsWir unternahmen herrliche Wanderungen, hoch zu zwei Wasserfällen (Vernon Falls, mehr als 100 Meter hoch) sowie zu einem idyllischen Bergsee (Emerald Lake, glasklar und klirrendkalt). Beide fast unberührt, Natur pur, über steile Berghänge, durch Wald und über nackten Fels und durch eine tiefe Schlucht mit Gebirgsfluss.

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark WanderwegÜberall springen handzahme Eichhörnchen, die man hier „squirrels“ nennt, herum. Sie sind sehr zutraulich und immer hungrig. Sitzen neben einem beim Essen und schauen einen an. Seltsame Natur im Yosemite: Bären wühlen in Supermarkttüten, Eichhörnchen betteln um Essen. Die wirklich „wilden“ Tiere lassen sich in diesem von Urlaubern doch recht dicht bevölkerten Landstrich selten sehen. Schön ist es trotzdem. Und die Bären sind immerhin so wild, dass sie lebensgefährlich sein können. Das sind sie übrigens nicht nur im Yosemite Nationalpark.

Bis auf die gigantischen Landschaften, die nahezu unendlichen Räume und die manchmal beängstigend geraden Straßen ins Nirgendwo ist Amerika sehr vertraut. Man hätte in den 50er Jahren herkommen sollen. Damals hätte man wahrscheinlich einen echten Kulturschock erlitten. Jeder hat einen Kühlschrank! Einen Fernseher mit mehr als einem Programm! Klimaanlagen! Supermärkte! SB-Tankstellen! Burgerlokale mit Takeaway! Und diese überdimensionierten Autos!

Mietwagenrundreise Yosemite Nationalpark im koreanischen Chevy

Das ist wirklich tragisch: Wir fahren als Leihwagen einen Chevy – „Made in Korea“, glaube ich. Der sieht aus wie ein Passat. Es gibt keine Straßenkreuzer mehr, dieses Symbol für den amerikanischen Überfluss. Für technische und ästhetische Überlegenheit, das Blech gewordene Selbstbewusstsein einer großen Nation, in der alles möglich war.
Diesen Spruch haben wir ein paar Mal gehört, wenn wir im Restaurant eine Sonderbestellung aufgeben wollten. „Können wir den Manhattan mit Olive UND Zitronenschalen haben?“ – „Of course! Hey, you’re in America, everything is possible!“

Seit Vietnam ging es bergab. In den 70er Jahren starb der Traum des Straßenkreuzers in Detroit. Die Reagonomics haben die Amerikaner wieder reich gemacht, aber den Spalt in der Gesellschaft vertieft (auch jenseits der Rassengrenzen). Die 90er Jahre brachten Einwanderungswellen aus Korea, Taiwan und Südamerika. Englisch ist folglich nicht mehr Lingua Franca in Südkalifornien und Florida. Der WASP ist in der Minderheit. Die Nullerjahre dann die hysterische Angst vor islamistischen Terroristen. „War on America“, eine Nation ist tief verängstigt. Das ändert die Identität Amerikas. Jetzt fahren sie langweilige benzinsparende Autos, meckern über teure Spritpreise, ihre Supermärkte sind schlechter bestückt als in Europa, sie haben einen Europakomplex und schimpfen über die komplizierten, arroganten, umweltbewussten Europäer, nur die Osteuropäer sind ihnen sympathisch, weil die noch ihren Müll in den Wald schmeißen und an den „american way of life“ glauben.

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