Motorradtour durch den Westen der USA

Motorradtour USA West, Monument Valley

Meine Motorradtour USA West – ein Reisebericht

8. Oktober: Abholen der Harley Davidson in Las Vegas

Geklappt hat alles wunderbar zum Ortstermin beim Motorradverleiher am Dean Martin Drive in Vegas. Da sind sie ja gut, die Amis. Mit einer Mischung aus professioneller Organisation und sehr aufmerksamem Kundenservice sitzt mein Hintern keine Stunde später auf dem Sattel einer echten amerikanischen Harley, fertig für meine Motorradtour USA West.

Ich habe mir von zuhause aus das preiswerteste Modell – eine Sportster – ausgesucht. Einerseits, weil ich Purist bin und mir die abgespeckte Harley am besten gefällt. Andererseits sind diese Bikes hinsichtlich der Verarbeitung im Grunde sowieso alle gleich. Nämlich grundsolide, traditionell und konsequent in ihrer Vermeidung von Plastik und anderem japanischen Kram. Richtig kernig im Klang und eine saubere Verarbeitung, die rein auf Stahl und Gusseisen basiert. Also alles das, was echte Männer cool finden. Selbst ich.

Boulder City – Tuyasana / Grand Canyon

Boulder City, FrühstückDen Zweizylinder-V-Motor starte ich am nächsten Morgen recht früh, so dass ich 30 Meilen und sonnige 45 Minuten später schon in Boulder City/Nevada bin. Es ist 8 Uhr, kein Mensch auf den Straßen in diesem aufgehübschten Touristenörtchen.
Im historischen Zentrum betrete ich ein Frühstückslokal. Dort brummt hingegen der Bär, ein Faustschlag aus Lärm empfängt mich. Am letzten freien Tisch bestelle ich mein zweites Frühstück: Pancake mit gebratenem Schinkenspeck, Cream Cheese und einem Spiegelei. Dazu Wasser pur, den amerikanischen Wasserkaffee ertrage ich nicht. Die Waitress professionell freundlich, aber angenehm.

Da die Sportster dummerweise einen winzigen Tank hat, steuere ich hier schon mal die erste Tanke an: 50 mi, 1.1 Gal., $ 3.75. Nach langem, ödem Geradeaus durch steppenartige Wüste, vorbei am Hoover Dam – was bitteschön ist so spannend an einem Staudamm plus halb gefülltem Stausee? – und an einer Abfahrt namens »Lake Mead Beach«, Ankunft in Kingman. Typisches Tankstellen- und Pinkelpausenkaff, das nur aufgrund des Verkehrs existiert. Hier der nächste Tankstopp (es werden noch viele folgen!): 138 mi, 1.36 Gal., $ 3.06.

Das Aus der Motorradtour?

Und dann dachte ich, das wars jetzt mit meiner Motorradtour: Der Harley-Motor stirbt zweimal ab im laufenden Betrieb, nicht zu fassen! Einfach so! Ich rolle jeweils an den Straßenrand, warte kurz, dann springt er jedoch wieder an und ich fahre weiter.

Peach Springs im Indianerreservat der Hualapai. Um sicher zu gehen: 198 mi, 0.91 Gal., $ 2.84. Danach das Straßendorf Williams, das von Kopf bis Fuß auf Touris eingestellt ist mit einer Mischung aus Route 66 und Cowboy-Romantik. Tanken (4): 271 mi, 1.42 Gal., $ 4.53. Dahinter ab ins nördlich gelegene Tusayan, kurz vor dem südlichen Eingang des Grand-Canyon-Nationalparks, der übrigens 24 Stunden auf hat.

Um 17 Uhr steht also die Sportster vor meinem Hotelzimmerfenster im Best Western-Hotel Tusayan, das mich mit abgewohnter, muffiger Atmosphäre umhüllt. Nicht schlimm, das Plüschige erinnert mich vielmehr an alte US-TV-Serien aus den 80ern, über die ich mich in meiner Jugend gerne ab und an mal beölt habe.

Sonnenaufgang im Grand Canyon – Page

Grand Canyon SonnenaufgangTag 2 meiner Motorradtour USA West beginnt schon um 5 Uhr im Dunkeln, weil ich ja unbedingt den »sun set« im Canyon sehen will. Kaffee aus kleiner Maschine, die im Zimmer bereitsteht, mitgebrachtes Müsli aus Pappbecher. Gemeldete Außentemperatur: 9 Grad C. Kein Wunder, wir befinden uns auf über 2.000 Metern Höhe! Also zwei Hosen übereinander, zwei Paar Socken. Draußen alles beschlagen, der Harley-Sattel pitschnass.

Meine Visa-Card im Eintrittshäuschen hat schon mal nicht funktioniert, also einfach so rein. Ist ja noch kein Mensch da. Im Finstren auf irgendeinen Parkplatz, in irgendeinen Shuttle-Bus zu irgendeinem Aussichtspunkt an der Canyon-Kante. Mit einsetzender Dämmerung ist es aber leider vorbei mit dem Alleinsein. Wahrscheinlich hatte ich die alle nur nicht gesehen. Jedenfalls füllen sich die »view points« am »southern rim« beträchtlich und schnell. Der Sonnenaufgang himself selbstredend spektakulär bei klarer Luft und dementsprechend hervorragender Sicht.

Grand Canyon South Rim ViewpointIch wandere danach den Trail entlang der Kante westwärts, es wird zunehmend ruhiger. Nach ca. einer Stunde und unzähligen sinnlosen Fotos springe in einen roten Shuttle-Bus, den ich am »Mohave Point« wieder verlasse. Neben der kunstvollen Mondlandschaft kann ich zum ersten Mal das akustische Nichts wahrnehmen, diese unvergleichliche Stille genießen. Zugleich versinke ich in Demut ob dieser hunderten von Millionen Jahren Erdgeschichte, die da so nackt und ausgebreitet vor mir liegen. Meditation ist angesagt.

Flagstaff und Bikerglück

Als ich danach gegen 9 Uhr abrausche, sind alle Parkplätze voll, die Autoschlange vor den Kassenhäuschen zweispurig mindestens einen Kilometer lang. Also Horror. Um 11 Uhr check ich aus dem Hotel aus, weiter mit meiner Motorradtour. An der Abzweigung nach Flagstaff stoppe ich auf einen – na was wohl? richtig – Tankstopp (5): 365 mi, 1.49 Gal., $ 4.50.

In Flagstaff erwartet mich ein hübsches historisches Zentrum und der Hausberg Mount Elden als Teil der San Francisco Peaks. Lange Ausfallstraße, gesäumt von Business und Antikläden. Da ich ja zum Tanken in den USA bin: 451 mi, 1.4 Gal., $ 3.75.

Motorradtour USA West, Richtung PageUngefähr 70 Meilen hinter Flagstaff beginnt eine Show für mich und mein Moped. In leuchtend atmosphärisches Nachmittagslicht getauchte, rote Sandsteingebirgszüge, davor hellgrünes Buschwerk mit knallgelben Blüten, darüber hellblaues Dach. Eine Farbkomposition, die die einsetzenden Rückenschmerzen jedoch vergessen lässt. Mit Elan knattern die Harley und ich entlang dieser malerischen Szenerie und sind glücklich.

Das Braunkohlekraftwerk in Page

Kurz vor Page in Arizona dann aber zu spät für ein Foto-Shooting am Colorado Horseshoe. Sowohl die Sonne als auch das Flusstal zu tief. Page selbst ist ein ziemliches Dreckloch. Von weitem empfängt es schon seine Gäste mit einer grünlich-braunen Dunstglocke, die von drei nahegelegenen Schornsteinen eines Braunkohlekraftwerks generiert werden. Und das inmitten dieser urtümlichen Landschaft!
Der Ort selbst: Eine laute, kurvig geschwungene Durchgangsstraße, gesäumt mit Fresslokalen, Tankstellen, Hotels, Supermärkten und Bibelvereinen aller Art. Meine Travellodge am Ende dieser Durchfallstraße, wo alle Achtzylinder schön Gas geben. Es blubbert in der Bude, in der geschmacklosen, aber egal, reicht zum Pennen.

Toadstool Hoodoos / Utah

Toadstool HoodoosNach der Schlacht ums Frühstücksei in der dafür vorgesehenen, viel zu kleinen Frühstücksbutze starte ich meine Motorradtour in den sonnigen Tag. Highlights wie Antelope Canyon, Rainbow Bridge, Lake Powell locken mit Versprechungen. Die Touristenmassen hier lassen mich hingegen zu einem so genannten Geheimtipp fliehen, den Toadstool Hoodoos in Utah.

Auf der 89 ein kurzer Halt am Lake Powell: Entrance fee $ 20! Hallo…? Sind ja schlau, die Amis. Machen aus jedem Stausee, der eigentlich ein Infrastrukturprojekt darstellt, eine »recreation area«, einen Nationalpark, eine Zweitverwertung. Bumm, und schon halten sie die Hand für Dollars auf, die alten Spätkapitalisten.

Hoodos: Könnt ihr andere Touristen auch nicht leiden? Dann müsst ihr da auch nicht hin. Um 10 Uhr noch zu zehnt, kommen mir beim Verlassen des Geländes Massen entgegen. Das zum Thema Geheimtipp.

Colorado River im Horseshoe Bend

Colorado Horseshoe BendNochmal der Horseshoe Bend, diesmal mittags, diesmal Licht bis runter zum Fluss. Runter heißt hier wirklich runter: 300 Meter! Nicht eine Sicherung am Abgrund, nicht einmal ein Warnhinweis. Unvorstellbar bei uns, die wir fest in Händen der Versicherungswirtschaft sind. Hat mich jedenfalls tief (!) beeindruckt, die amerikanische Saarschleife.

Keine 4 Meilen entfernt vom Kohlekraftwerk finde ich kurz davor den berühmten Antilope Canyon. Dabei fahre ich in gar keine Schlucht. Von außen ist das lediglich eine unspektakuläre Erdritze, durchtrennt von einer Straße. Auf der einen Upper, auf der anderen Straßenseite Lower Canyon. Die dazu gehörenden Parkplätze natürlich gerammelt voll. Ich entscheide mich für einen späteren Zeitpunkt des Tages und hoffe auf weniger Besucherandrang.

Wieder auf meinem Bock cruise ich zurück in Page durch das »old quarter«. Ja, so etwas gibt es tatsächlich in diesem ansonsten trostlosen Kaff. Das ist eine Wohngegend mit ein paar altmodischen Motels (schade, in so einem hätte ich lieber übernachtet). Interessant: Vor den ältlichen Einfamilienhäusern kann man zahlreiche Oldtimer bewundern. Also eher Automobilmuseum als Altstadt.

Antelope Canyon Erdritze

Motorradtour Antelope CanyonKurz vor 3 p.m. wieder Richtung Kraftwerk. Jetzt weniger los. Ich zahle erstmal $ 8 Eintritt für ein Stückchen Indianerland, auf dem die schmale Harley ein paar Stunden stehen darf. Dann an einem der beiden Touranbieterhäuschen $ 20 gelatzt. Ich entscheide mich für die Bude, die ranziger daherkommt und weniger Autos auf dem Teil des Parkplatzes zählt. Vor mir eine bayerische Familie, hinter mir drei Japanerinnen, dazu noch ein paar weitere Figuren, die nach und nach die erforderliche Gruppenzahl von 15 befüllen. Wir warten im Schatten auf den Guide. Ein lauter Lachkrampf der Bayerntruppe bringt mich zu der Entscheidung, eine Tour später zu nehmen (3.30).

Bingo! Wir sind nur zu dritt. Mit einem sympathischen Pärchen Mitte 20 aus Florida mache ich mich mit dem indianischen Guide (Warum haben die Jungs eigentlich alle so vernarbte Gesichter?) auf zum Einstieg in die Erdspalte. Diverse Aluleitern bringen uns nach unten in die bizarre Welt der von Wasser und Sand grotesk-geschliffenen Felsformationen. Angenehm ruhig und leer und nur zu viert bewegen wir uns entlang der Ritze von einer Windung zur nächsten. Laut unserem Führer war dies alles aufgrund von starken Regenfällen und den daraus folgenden hüfthohen Spülungen nur Tage zuvor überhaupt nicht begehbar. Regen also Businesskiller.

Unser Indianer-Guide entpuppt sich als kenntnisreicher Fotograf und macht Aufnahmen mit meinem popeligen Samsung-Smartphone, von dem ich gar nicht wusste, dass so etwas möglich ist. Fotografieren ist überhaupt das große Ding hier. Ich bin der einzige, der diese in steilen Sonnenstrahlen getauchten, extravaganten Felswindungen mit bloßem Auge bestaunt. Und entzückt ist! Nach ca. einer Stunde über die Aluleitern wieder hoch in die Hitze und zurück zur Harley, die schon sehnsüchtig mit dem Auspuff wedelt. Apropos: Mal wieder tanken (7): 559 mi, 1.8 Gal., $ 5.1.

Bootfahren auf dem Lake Powell zur Rainbow Bridge

Bootfahren auf dem Lake PowellMontagmorgen: Anstellen für das Boarding zum Bootstrip »Lake Powell – Rainbow Bridge«. Das Ticket für schlappe $ 125 am Tag vorher noch besorgt. Naja, Bootfahren ist Bootfahren, steh ich einfach drauf. Um mich herum eine Horde Kinder, die alle losstürmen für die vermeintlich besten Plätze. Ich warte ab, hinter mir vier gackernde Chinesinen mit ihren seltsamen Lauten. Dann gehts los und die manische Fotografiererei um mich herum beginnt sofort nach dem Ablegen.

Ich zwicke mir einen freien Sitz im Achterschiff neben einem großen Karton. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich dieser als die Verpflegungsstation, prall gefüllt mit Getränken, kleinen Snacks und knallroten Äpfeln. Und schon werde ich gefragt, ob man zugreifen dürfe. Mit ernstem Crew-Gesicht entgegne ich zum Spaß »No, later please!«. Keiner traut sich, anscheinend werde ich tatsächlich als Blockwart der Bootsmannschaft wahrgenommen. Das Vergnügen hält aber nur kurz, denn keine 10 Minuten später brechen alle Dämme und der Buffetkarton wird gnadenlos geplündert.

Ein netter alter Steward mit leicht gerötetem Gesicht zeigt mir ein altes Foto, auf dem ein Flieger über dem Lake zu sehen ist, aus dessen Bodenklappe hunderte von Fischen fallen. Naturierung auf amerikanisch.

Spektakulär wirds, als das Boot in den engen und kurvigen Rainbow Bridge Canyon einbiegt. Bauchig geschliffenes, weiß bis rosa farbenes Felsgestein zum Greifen nah. Nach mehreren Spitzkehren in diesem engen Gewässer docken wir an ein Ponton an und werden endlich entlassen.

Rainbow Bridge und Elisa Upchurch

Rainbow Bridge im GegenlichtFür ein paar tourifreie Fotos stell ich schonmal den Turbolader an und düse die eine Meile zum Objekt der Begierde. Wow! Mitten in einer breiter werdenden Schlucht empfängt der natürlich geschliffene Halbkreisbogen mit über 80 Metern Höhe seine Bewunderer. Und: Elisa Upchurch, Parkrangerin in entsprechend karnevalistischem Outfit, die mir erstmal klar macht, wer hier die Chefin ist. Leider lässt sie mich nicht auf die andere Seite des Naturwunders, das von hier nur im Gegenlicht fotografiert werden kann. Ich gebe trotzdem mein Bestes, bis ich mich nach einer Stunde als letzter Elisa verabschiede und die Site verlasse.

Ankunft gegen 2 p.m. Ich schwinge mich endlich auf meine Harley und donnere los. Natürlich tanke ich nochmal in Page (681 mi, 2.04 Gal., $ 5,75). Nach all den vielen Menschen und der Enge auf dem Boot empfinde ich das Kurvenziehen in der weiten Landschaft mit dem angenehmen Fahrtwind als besonders intensiv. Brause durch Navajoland, das zunehmend arid und karg wird. Von der 98 biege ich nach links auf den U.S. Highway 160 in Richtung Kayenta (Tankstopp 9: 780 mi, 1.85 Gal., $ 5.00). Die touristische Infrastruktur zeigt auf, dass es nicht mehr weit sein muss ins Tal der Monumente.

Bühnenbild Monument Valley

Monument Valley FelsformationUnd tatsächlich, nach ein paar Meilen auf der 163 Richtung Norden stehen schon die ersten »monuments«. Welch eine Szenerie! Ich verlangsame das Tempo und tuckere leicht bergab auf eine eindrucksvolle Felsformation zu, die allein und mitten in der weiten Landschaft steht. Es wird aber noch besser. Denn das wirkliche Malboro-Feeling kommt auf, als die felsigen Hauptdarsteller aus unzähligen Westernfilmen um die Ecke biegen. Dieses Bühnenbild ist einerseits so abstrakt und außerirdisch, andererseits durch unzählige Cowboy-Streifen so vertraut. Ich verstehe, dass genau das den einzigartigen Reiz dieser Kulisse ausmacht.

The View Hotel hat dort mittendrin das Monopol und die volle Kontrolle über das Business. Schlafen, Restaurant und $ 10 Landschaftseintritt. Weit und breit kein Supermarkt, keine Tankstelle, kein Alkohol. Nach ein wenig Herumfragen dann doch: Auf der anderen Seite der Hauptstraße, 7 Meilen entfernt vom Bett, die Goulding’s Lodge (mit »John Waynes Zimmer«!) inklusive Tanke und Grocery. Natürlich gleich für den morgigen Ritt tanken (10): 828 mi, 0.8 Gal., $ 2.25. Übrigens auch hier kein Stoff, da noch immer Navajo Nation Reservation. Also fällt das Sunset-Bier aus, macht nix. Es gibt ja noch den Sonnenaufgang. Ohne Bier.

Monument Valley SonnenaufgangDen verbringe ich sehr früh morgens auf einem Hügel hinter dem Hotel. Nach dem Sternenzelt wird so gegen Viertel nach sieben der Schauplatz in gleißend-rotes Sonnenlicht getaucht, was das sowieso schon rötliche Gestein zum Glühen bringt. Ich werde fast blind ohne Sonnenbrille, kann aber auch nicht wegschauen. Zu gigantisch ist das weltweit einmalige Panorama.

Die schönste Strecke der Motorradtour

Mexican HatMeine Harley und ich verlassen Arizona und tuckern rauf nach Utah, das gleich hinter dem Valley beginnt. Vorbei am Mexican Hat, einem drolligen Schnippstein, nur ein paar hundert Meter von der Straße entfernt, Wechsel auf den U.S. Highway 316. Bikers Traum erwartet mich: klein, kurvig und sogar mit einem Pass ausgestattet. Von dort oben eine irre Aussicht auf die grenzenlose Ebene. Die weitere Fahrt auf dem Plateau führt durch Buschgrün, niedrige Bäume, immer roter werdendes Gestein, sinnigerweise »Red Canyon« genannt. Rote Sandsteinriesen weisen den Weg nach Hite, einer Geisterstadt auf der anderen Seite des Lake Powell. Immerhin mit einer lebendigen Tankstelle (943 mi, 2.07 Gal., $ 7.30), Mein 2.5 Gallonen »großer« Tank sagt mir, das war knapp. Natürlich ging mir schon meilenweit vorher die Muffe…

Motorradtour EisenbrückeEine fotogene alte Eisenbrücke führt über den Colorado River. Hier mit ordentlicher Breite und einigen Paddlern im lehmigen Nass. Weiter auf dem kurvenreichen Asphalt bis ca. 30 Meilen vor Hanksville. Dann wieder nur Weite, endlose Horizonte mit schnurgeraden Teerlinien. Alles wie gemacht für den Harleyfahrer. Wunderbar diese Motorradtour, ich freue mich des Lebens! Übermut lässt mich den Gasgriff hochziehen. Ich brettere mit 80 mi/h dem nächsten Halt entgegen (Hanksville/12: 996 mi, 0.83 Gal., $ 2.66).

Motorradtour Straßenverlauf, KurvenDanach wechseln sich Apokalypse-Landschaften mit lieblichen, grün garnierten Straßenverläufen ab, alles unter einem immerblauen Himmel. Meine Augen weiden. Dementsprechend stoppe ich alle Arschlänge und versuche diese entzückenden Ansichten in Fotos zu frieren. Noch immer kaum ein Fahrzeug auf der Straße.

Enge Schluchten im Capitol Reef Nationalpark

Schlucht im Capitol Reef NationalparkIm Visitor Center des Capitol Reef Nationalparks empfiehlt man mir den »scenic way«, den ich nach dem Check-In natürlich sofort befahre. Grandios-bizarre Gesteinsformationen aller Coleur in später Nachmittagssonne. Am Ende eine Schotterpiste, die zu einem Parkplatz führt. Ein Fußweg durch eine steile und höchstens 10 Meter enge Schlucht zeigt Petroglyphen an den Felswänden. Nach ca. 20 Minuten ein kleiner Höhenweg, an dessen Ende natürliche Wassertanks zu bewundern sind. Wieder ziemlich übernatürlich das alles. Vor allem in der klaustrophobischen Enge der Schlucht, in der nun kein einziger Sonnenstrahl mehr, sondern eine Art graues Nichtlicht den Weg weist. Kein Mensch hier außer mir. Check-Out aus dem Nationalpark, ich donnere nach Sonnenuntergang in Richtung Torrey, wo im Broken Spur Hotel inmitten exzessiver Cowboy-Romantik ein Nachtlager auf mich wartet.

Motorradtour PanoramafahrtNach handfestem Frühstück mit Countrymusik, bei stürmischem Wind wieder rauf auf den Bock, erstmal den Durst der Harley löschen (1.089 mi, 1.67 Gal., $ 6.00). Dann weiter nach Boulder, die als letzte Stadt der USA eine Straßenverbindung bekam. Und erneut eine völlig andere Szenerie: Eine bildschöne bergige Panoramafahrt durch einen knallgelben Indian Summer unter stahlblauem Gewölbe. Nach dieser euphorischen Abfahrt auf meinem gusseisernen Gefährt sofort wieder ein Szenenwechsel. Auf einmal alles steingrau und furchig, der Grand Escalate Nationalpark. Nach Henrieville folgt Cannonville, dort tanken (14: 1189 mi, 1.4 Gal., $ 4.10).

Steinskulpturenschönheiten im Bryce Canyon Nationalpark

Bryce Canyon Nationalpark, AussichtIm weiteren Verlauf der Motorradtour ein erster Vorgeschmack auf den Bryce Canyon Nationalpark mittels oranger Steinskulpturenschönheiten entlang der Straße. Deren Farbe ist eigentlich weiß, verfärbt sich aber durch Eisenanteile. Auf der Stichstraße links nach wenigen Meilen das Eingangstor des Parks. Dort werden geschäftstüchtige $ 25 (Autos $ 30) aufgerufen. Es folgt ein unspektakuläres, bewaldetes Hochplateau, irgendwann beginnen die »view points« mit angeschlossenen Parkplätzen.

Bryce Canyon Nationalpark OrgelpfeifenIch brause die ganze Chose entlang, nach über 20 Meilen ist dann Schicht. So habe ich mir erstmal einen Überblick verschafft und kann die Aussichtspunkte von hinten abfahren. Dort am Ende ein »overlook« über die scheinbar endlose Weite der Ebene, gesät mit den imposanten Orgelpfeifen aus orangem Sandstein. Bergketten am Horizont, die mich schon seit Tagen begleiten. Am schönsten dazu die Stille. Lediglich vereinzelte Tiergeräusche, ein Fiepen eines Greifvogels, ein Krächzen einer Krähe, deren Flug sogar zu hören ist mit einem zarten Federrauschen…

Grand Canyon North Rim

Der North Rim ist eigentlich ein Betrug. Des Touristen begehrlicher Ort befindet sich nur in einem Seitental des großen Canyons. Neidisch blicke ich gen Süden zum South Rim. Nur gut, dass ich da vor fünf Tagen schon war (fünf Tage erst?). Der Schluchtenschieler hier an der Nordkante wird vergleichsweise enttäuscht. Ist aber eine Frage der Reihenfolge: Wenn du hier anfängst, bist du entzückt, umgekehrt – so wie ich jetzt – ernüchtert.

Zentralisierte Infrastruktur, dadurch überteuert. Eine Örtlichkeit mit großer Lodge und verteilten Hütten, Restaurant, Imbiss, Saloon, Touri-Info – that’s it. Hier finden sich deutlich weniger Touristen ein, aber durch die Ein-Punkt-Konzentration auch keine Möglichkeit, ihnen zu entfliehen. Ist aber nicht so schlimm, da ich hier größtenteils amerikanische Touristen wahrnehme.

Grand Canyon North Rim ViewpointEine kleine Wanderung rüber zu einem weiteren Seitental ist eine willkommene Abwechslung am nächsten Morgen. Angeboten werden auch Wanderungen ins Tal vom South zum North Rim und umgekehrt in 12 Stunden. Ach ja: In den Hütten kein WiFi, kein TV! Wie hält das ein Amerikaner aus?

Ende der Motorradtour – Back to Vegas am 16. Oktober

Ein bisschen öde, dieselbe Strecke Richtung Kanab wieder zurückfahren zu müssen. Aber es gibt nur eine Straße, die zum North Rim führt. Nach dem Erlebnis South Rim hätte ich mir die Nordseite auch schenken können. Denn es ist nicht nur die Langeweile des selben Weges, sondern die Strecke selbst ist ziemlich trist. Wenigstens konnte ich noch ein paar Mal ordentlich tanken: North Rim (1542 mi, 2.1 Gal., $ 7.36). Hurricane (1628 mi, 1.5 Gal., $ 4.50), an der Interstate 15 (1715 mi, 1.61 Gal., $ 5.00) und schließlich (Nr. 18) in Las Vegas vor der Rückgabe meiner Harley (1776 mi, 1.3 Gal., $ 4.00).

Ich habe in St. George noch einmal übernachtet, bevor ich dann auf der 15er Autobahn volle Sahne ins heiße Vegas zurückgebrettert bin. Von wegen in Amerika muss man so schleichen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit dort sind 80 Meilen pro Stunde, was ja immerhin fast 130 km/h sind. Die bin ich geballert, jedoch fortwährend überholt worden. Also packt eure Badehosen voller irriger Meinungen wieder ein und fahrt für einen Update mal selber hin zu den Amis.

Hier die Route meiner Motorradtour zum Nachgucken. Mehr über Las Vegas als Mopedstart- und Landeplatz findet ihr hier

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4 Kommentare zu Motorradtour durch den Westen der USA

  1. H.panko sagt:

    Hallo Lonesome rider,
    toller Reisebericht, mit wachsender Begeisterung gelesen und nun plane ich Eine aenliche tour. War vor 22Jahren schon mal dort, mit Mietwagen. Beim naechstemal mit Zelt den es sind die Sonnen auf- und untergaenge die dich nicht mehr los lassen.
    Ich habe die Motels nie vorausgebucht. Ich blieb oft ein paaar Tage und bin meine Runden gefahren. War aber auch end Maerz unterwegs, 16 Tage alleine. Es lag noch Schnee am north Rim und Bruce canyon. Habe auf YouTube Eine tolle Reisebeschreibung gefunden unter „Coffe and new Friends“ von Twester2.

    gruss aus Bayern

    HP

    • general-grant-tree sagt:

      Hallo!
      Danke für dein nettes Feedback. Ich reise auch lieber spontan und ohne großen Plan, denn das Leben auf Reisen bietet die schönsten Überraschungen. In diesem Sinne: Fahr los!
      Bikergruß
      Lonesome Rider

  2. Christopher Mengel sagt:

    Hallo,
    es ist schön deinen Reiseblog lesen zu können.
    Ich und ein Kumpel sind Momentan in der Planung für die USA West Tour.

    Start und Endpunkt wird bei uns Las Vegas sein. Die Tour haben wir für September geplant.
    Meine Frage an dich, wie lang war deine Tour? Wie viel Kilometer, wie lange warst du mit dem Motorrad unterwegs?

    Hast du Tipps für uns auf was wir achten sollten?
    Wir wollen kein Hotel vorab Buchen, wir möchten uns die Hotelwahl und den Ort offen halten. Hattest du Hotels auf der Strecke alle vorab gebucht?

    Mit freundlichen Grüßen
    Christopher Mengel

    • general-grant-tree sagt:

      Hallo Christopher,
      danke für deinen netten Kommentar. Wie du vielleicht dem Bericht entnehmen kannst, war das eine fantastische Moped-Tour, die ich jederzeit wieder machen würde. Kann ich nur empfehlen…

      Ich war 8 Tage unterwegs und habe 1776 Meilen (= 2858 Kilometer) auf dem Bock abgerissen. Das sind 358 Kilometer pro Tag! Ja, es ist ein großes und weites Land…

      Ich bin grundsätzlich auch jemand, der keine Hotels im voraus bucht. Hatte ich vorher auch noch nie gemacht. Auf dieser Reise schon. Warum? Weil es riesige Entfernungen sind und ich abends froh war, nicht noch weiter rumfahren zu müssen auf der Suche nach einem freien Hotelbett (Stichwort: Der Arsch brennt!).
      Zweitens: Der Segen mit dem Motorrad die meiste Zeit durch menschenleere Landschaften zu cruisen ist hinsichtlich einer Übernachtungsmöglichkeit ein Fluch. Weil es nämlich gar nicht so viele Möglichkeiten gibt. Und wenn, dann sind sie ausgebucht, so wie meist in den Nationalparks. Auch im Oktober. Erst recht im September, also in dem Monat, in dem ihr fahren wollt.
      Drittens: Der Preis. Stell dir vor, du kommst am Abend im einzigen Hotel des Ortes an, die nächste mögliche Übernachtung liegt ca. 100 km entfernt. Glaubst du, du bekommst das einzige freie Zimmer zum günstigen Sonderpreis? Das muss sicherlich nicht immer so sein, aber die Gefahr besteht durchaus im abgeschiedenen Westen der USA.
      Ich habe übrigens die Etappenziele und die jeweiligen Übernachtungen mit Thomas von adeoreisen besprochen und klargemacht, auch ein leidenschaftlicher Biker.

      Vielleicht werde ich meine nächste Moped-Tour ohne vorgebuchte Hotels machen. Aber nur mit kürzeren Tagesetappen und mit mehr Zeit. Wobei kürzere Tagesetappen in diesen einsamen Weiten eher schwierig sind. Ach ja, von unterwegs same-day-booking via Smartphone kannst du dort in den abgeschiedenen Landschaften auch vergessen, die meiste Zeit kein Empfang.

      Meine wichtigste Empfehlung: Ein Moped mit einem großen Tank. Wie meinem Reisebericht zu entnehmen, ist die ewige Tankerei nervig und ein zu kleiner Tank auch riskant, wenn stundenlang keine Tankstelle kommt. Wenn es aber nicht anders geht, dann würde ich beim nächsten Mal einen kleinen Ersatzkanister mitnehmen. Ansonsten habe ich nicht viel gebraucht, ein wenig Wechselunterwäsche, Kulturbeutel, Papiere und Kreditkarte, den Gepäckrest entweder im Hotel oder beim Motorradverleiher gelagert.

      Eine Sache noch, der Helm. Einen fremden Helm aufzusetzen ist ja nicht jedermanns Sache. Vor allem, wenn er nicht wirklich passt. Ich mit meinem Eierkopf hatte ernste Schwierigkeiten beim Motorradverleiher den passenden Helm zu finden. Integralhelme gibt es sowieso nicht, sondern nur die dürftigen Variationen. Da ich aber ein Freund des leichten Gepäcks bin, habe ich auf das Mitnehmen meines eigenen Helms verzichtet. Diese Thematik ist aber durchaus eine Überlegung wert.

      Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Gern denke ich an diese Reise zurück und würde mich daher freuen, wenn du noch weitere Fragen hättest 😉

      Bikergruß
      Lonesome Rider

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